03.09.2011 - 24.09.2011
Cay-Robert Malchartzeck
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> Törn Southampton - Lissabon
Törnbericht Southampton - Lissabon
Seite 7
21./22. September: Schluss mit lustig
Die Nacht ist kurz: Nervenzersägendes Nebelhorntuten reisst die Crew gegen 3 Uhr nachts aus dem Schlaf. Draussen
dicke Suppe. Und es klart nicht auf. Gegen 11 Uhr wollen wir dann aber los. Der Ausguck muss mit Adleraugen die
milchige Nebelschaden zu durchdringen versuchen, aber eigentlich ist das ein Instrumentenflug. Der Wetterreferent,
durch seine Ostseetörns geübt im Navigieren in kleinsten Räumen, sitzt unter Deck vor den Monitoren und überwacht den
Kurs per GPS, AIS und Radar. Von und nach Leixoes fahren einige grosse Schiffe, die aber sind nicht das Problem, weil
man dank AIS immer weiß, wo sie sind, und was sie vorhaben. Die kleinen Fischerkähne haben kein AIS, die entdeckt
man nur auf dem Radarschirm. Nach anstrengenden 5 Stunden gelingt es Sonne und Wind, die Nebel zu vertreiben. Der
Abend wird dann doch noch schön. Und sogar guten Wind bekommen wir noch.
Die Nacht bleibt so kühl wie der Tag, der Wind schläft wieder ein, und wir trauen dem Wetter nicht. See und Monitore
werden weiter scharf beobachtet. Schade, das ist doch unsere letzte Nachtfahrt... Universalingenieur Olaf aber hat erneut
Glück: Auf seiner Deckswache lassen sich wieder Delphine blicken und treiben ihre Spielchen. Offenbar verfügt er über
eine delphinfreundliche Aura, zu ihm kommen sie immer.
Das Frühstück ist nicht so erfreulich: Das Wasser, dass wir in Leixoes übernommen haben, schmeckt furchtbar nach
Chlor, Kaffee und Tee sind nicht zu geniessen, Marmelade ist alle und das Brot trocken. Na gut, es ist das letzte Mal.
Vor Sintra zieht sich der Himmel zu, das aber ist an dieser Ecke typisch. Als wir um die Ecke Richtung Lissabon
einbiegen, wird es ohne Übergang hochsommerlich. Jetzt ist auch der Skipper zufrieden.
Die Marina Cascais hat eine Art Hotelrezeption, kein schnödes Hafenmeisterbüro. Zwar dauern die Formalitäten endlos,
weil sämtliche Schiffsdaten und Personalien eingetippt werden müssen, aber als Trost gibt es eine Flasche Rotwein, und
die freundliche Dame fragt, ob sie ein Taxi zum Flughafen arrangieren soll. Der Hafen ist ein Absprung für Atlantik-
Überquerer. Wir kommen zwischen lauter Langfahrern zu liegen, direkt am Hafen gibt es alle möglichen Schiffsausrüster.
Und Restaurants, in einem werden heute abend unser “Captains Dinner” abhalten und den Törn feiern.
Persönliche Schlussbemerkung des Berichterstatters
Alles lief anders, als wir dachten: Ausgemalt hatten wir uns einen Bummel an der spanischen und portugiesischen Küste
von Hafen zu Hafen, mit Barfuss-Segelei und schönen Landausflügen. Daraus wurde, dank “Hurricane Katia” und ihren
giftigen Sturmschwestern, erstmal zehn Tage England im November. Auch gut, sagt der erfahrene Segler, “you can’t do
nothing”. Machen wir das Beste draus, und Südengland ist wirklich ausgesprochen schön. Der berüchtigte Biscaya war
für mich eine überraschend spirituelle Erfahrung - ein Naturerlebnis, das ich in dieser Schönheit nicht erwartet hätte.
Besonders die Nachtfahrten. Danach kommt einem vieles, mit dem man zuhause seine Zeit verbringt, doch recht
unerheblich vor.
Der Törn war auch zwischmenschlich feines Segeln. Speziell der Skipper muss ausdrücklich gelobt werden: Nerven wie
Drahtseile und die Fürsorge eines Familienvaters in einer Person.
Er wird auf der “World-Tour” seiner “Nono” immer wieder Etappen übernehmen, wir anderen werden sie erstmal nicht
wiedersehen. Schade, ich bin mit diesem stabilen ehrwürdigen Segelboot immer sehr gern gefahren.
Adjüs, Nono, und allzeit gute Fahrt.